Porträt
Angelika Böcks Porträts verfolgen die Spur des Wesenhaften und Individuellen. Dabei handelt es sich um Versuchsanordnungen: Die gleichen Dinge werden ins Spiel gebracht, verschiedenen Leuten und Handlungen ausgesetzt („Jahrgang“, „sink“, „blanks“, „trans-parent“). Jede Handhabung formt die Gegenstände, macht sie zu etwas Neuem, Unverwechselbarem. In „Zeitraum“ oder „Kresse“ haben Veränderungen der Raumsprache einen ähnlichen Effekt.
Während das Porträt traditionell seit der Aufklärung dazu diente, individuelle (Gesichts-)Züge aufzuspüren und mit dem Anspruch der Authentizität darzustellen, geben Angelika Böcks Porträts nicht die Individuen selbst wieder, sondern schaffen dem Individuellen dort Raum, wo es sich an Gegenständen manifestiert. Wieder und wieder sind die Porträts der Individualität auf der Spur, wo sie sich als das Typische formend einschreibt. Zeichnet die eye-tracking-Technik spezifische Spuren des Blicks auf wie bei „blanks“, so halten Porträts Handlungsspuren fest.
Diese Prozesse der Einschreibung verweisen für Angelika Böck einerseits auf Spuren des Individuellen, so dass etwa die eigene Physiognomie mit bestimmt, wie wir die Physiognomie der anderen wahrnehmen und darstellen. Wie etwa „Jahrgang“ zeigt, kann die Gegenüberstellung von Fotoporträts einzelner Individuen und ihrer Schuhe Vergleiche zwischen den Eigenschaften der Schuhträgerinnen, aber auch Vergleiche zwischen Subjekt und Objekt herausfordern.
Andererseits verweist die vergleichende Porträtarbeit „StillePost“ darauf, dass Wahrnehmungs- und Darstellungsprozesse auch kulturell spezifischen Normen und Regeln unterliegen. „Plots” stellt die Porträts dreier heterosexueller Liebespaare nebeneinander, wobei jeweils zwei Versionen ihrer gemeinsamen Geschichte aufeinanderprallen und sich einerseits ergänzen, andererseits widersprechen. Selbstporträts und fiktionale Nacherzählung mischen sich zu einem Konglomerat individueller und kollektiver Vorstellungen von Paarbeziehungen. (Randi Gunzenhäuser)
