Würfelhocker, Sitzfigur, Stehfigur, 1994

Nessel, Reissverschluss

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Würfelhocker ist eine Art Schnittmuster für ägyptische Ganzkörperskulpturen. Die Installation in der Staatlichen Sammlung Ägyptischer Kunst in München evoziert die Form ägyptischer Porträts: Sie basiert auf den drei klassischen Haltungen, in denen ein Mensch im alten Ägypten porträtiert wurde. Die Künstlerin nähte eine Person in diesen Positionen in Nesseltuch ein und setzte an die Nahtstellen Reißverschlüsse. Auseinandergenommen wirken die Tuchteile zweidimensional wie Nähmuster oder Architekturpläne – höchstens im Kopf der ZuschauerInnen entsteht durch die Porträts aus Stoff ein räumlicher Eindruck der Sitz- und Standhaltung.

Die Installation bricht die geschlossene Form des ägyptischen Sitz- und Stehporträts auf, gibt den BetrachterInnen die Möglichkeit, sich diese Formen individuell zu vergegenwärtigen, sich in sie hineinzuversetzen. Die Annäherung an eine historische, kulturelle Formensprache fordert dazu heraus, die leere, für uns sinnentleerte Hülle erneut mit Sinn zu füllen.

Im alten Ägypten war der Erhalt der physischen Hülle von eminenter Bedeutung, garantierte doch ihre korrekte Haltung das Überleben bis über den Tod hinaus. Die Hülle übernimmt eine Stellvertreterfunktion für den lebenden Körper. Umgekehrt dient die Arbeit als Vermittlungsinstanz, so dass der körperliche Einsatz der BetrachterInnen die bewegungslosen Hüllen erneut zum Leben erwecken kann.

Die Installation stellt nicht nur historische Verbindungen her, sondern evoziert auch eine Raumsprache, setzt den Dialog zwischen Museum und zeitgenössischer Kunst in Gang. (Randi Gunzenhäuser)

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