Kresse, 1994

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Angelika Böck säte während der Semesterferien Kresse im Klassenzimmer ihrer Meisterklasse an der Kunstakademie München aus. Zuerst mussten die Ritzen zwischen den Holzdielen ausgekratzt und gereinigt werden, dann wurden sie wie Ackerfurchen mit einer Mischung aus Erde und Samen gefüllt. Jeden Morgen goss Angelika Böck ihre Saat und beobachtete, wie die Pflanzen von dem Raum zunehmend Besitz ergriffen. Als Unterrichtsraum ließ sich das bepflanzte Zimmer nicht mehr nutzen. Aus einem Klassenzimmer wurde ein Treibhaus, der Innenraum wandelte sich zum Außenraum. Zugleich nutzte Angelika Böck den Raum zum ersten Mal – er wurde für sie zur Arbeitsumgebung.
Die Holzdielen brachten ihre Geschichte in das Experiment mit ein – je nachdem, welche Stoffe an einer Stelle bereits verschüttet worden waren, wuchs die Kresse oder nicht. Die Raumsprache setzte sich aus organischen und anorganischen Komponenten zusammen, aus der Konvergenz von Klassen- und Ausstellungsraum, aus Innen- und Außenraumerfahrung. (Randi Gunzenhäuser)

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